Historischer Störfang in Schleswig-Holstein

Der Stör (Acipenser sturio) zählte noch im 19. Jahrhundert zu den wirtschaftlich wichtigsten Fischarten und war im frischen und geräucherten Zustand ein bedeutendes Nahrungmittel und der Kaviar ein geschätztes Genussmittel.

Wichtige Störfanggebiete im Einzugsgebiet der Nordsee waren sowohl die Unterelbe zwischen Finkenwerder und Brunsbüttel, die Unterläufe von Weser, Ems, Este, Oste, Stör und Eider als auch das Wattenmeer.

Die traditionellen Störfischer setzten zum Störfang "Pümpelgarne" ein, Treibnetze, die mit Hilfe von Schwimmern (Pümpeln) aufrecht gehalten wurden.

Zu Beginn der 1880er Jahre lag der jährliche Durchschnittsfang im Bereich der Unterelbe und Elbmündung noch bei 7.000 Stören, gegen Ende des 19. Jahrhunderts nur noch bei 1.275 Stören und kam in der Unterelbe zu Beginndes 20. Jahrhunderts praktisch zum Erliegen. Jeder in der Unterelbe zu Beginn des 20. Jahrhunderts gefangene Elbstör wurde in den 1930er Jahren als Besonderheit vermerkt.

Eine regelmäßige Fischerei auf den Stör in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erfolgte in Schleswig-Holstein nur noch im Gebiet der Untereider und beiderseits ihrer Mündung.

Mit der Eiderdämmung bei Nordfeld wurde der Zugang zu den angestammten Laichgebieten verbaut, die Störe konnten sich nicht mehr erfolgreich fortpflanzen und die Störfänge gingen in der Folgezeit drastisch zurück.

In den 1960er Jahren konnten nur noch vereinzelte Störe gefangen werden, die in der Presse als außergewöhnliche Fangereignisse geschildert wurden. Der letzte Störfang aus der Untereider stammt vom 13. August 1969. Danach ist kein Störfang aus der Eider mehr bekannt geworden.

1994 wurde die Gesellschaft zur Rettung des Störs (Acipenser sturio L.) e.V. gegründet.

www.sturgeon.de


Die Eiderfischer Wilhelm von der Heyde (li.) aus Horst und Heinz Siegert (re.) aus Kleve mit einem 2,45 m langen und 203 Pfund schweren Stör-Rogner, gefangen im Juni 1967 in der Untereider bei Nordfeld.
Bildnachweis: Ernst Kroezus, Störbildarchiv Siegfried Spratte

Text: Siegfried Spratte

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